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Hier stellen wir Ihnen Macher, Anpacker, Unternehmer und Wegbereiter aus Neu-Ulm mit ihren Erfolgen und Visionen vor.

Edwin Scharff (1887-1955)

Einer der bedeutendsten deutschen Bildhauer der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Dass der Sohn des Neu-Ulmer Stadtsekretärs, der als Kind in den Pferdeställen der Garnisonsstadt ein- und ausging, einmal ein in Berlin hoch angesehener Künstler werden könnte, hat in den 1890er Jahren in Neu-Ulm wohl niemand vermutet.

Doch der junge Edwin Scharff zeigte Talent und Ehrgeiz. Mit 15 Jahren macht er sich auf nach München, besucht die Kunstgewerbeschule und dann die Kunstakademie und wird schon 1907 mit dem Rompreis des Bayerischen Staates ausgezeichnet. Eine Professur an den Vereinigten Staatschulen für freie und angewandte Kunst im Berlin der 20er Jahre krönt seinen Erfolg. Neidvoll muss sein Bildhauerkollege Walter Grzimek anerkennen: "Er war der gefeierte Künstler der Bildhauerabteilung. (...) Er hat außerordentlichen Erfolg und gehört von 1923 bis 1933 zu den wenigen ganz prominenten Künstlern."

Scharff porträtiert nicht nur den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg für die Wandelhalle des Reichstags, er wird auch mit der Aufnahme in die Preußische Akademie der Künste geehrt. Auch Neu-Ulm wendet sich in diesen Jahren an den zu Ansehen und Vermögen gekommenen Sohn der Stadt und bittet um den Entwurf eines Ehrenmals für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Dass dieses heute auf der Donau-Insel Schwal prominent aufgestellt ist und so die Silhouette Neu-Ulms von Ulm aus gesehen, prägt, geht auf Scharffs Vorschlag zurück.

Edwin Scharff, der 1918/19 in einem linkspolitisch agierenden Künstlerrat aktiv war und mit einer jüdischen Frau verheiratet ist, gerät Anfang der dreißiger Jahre bald in den Fokus der Nationalsozialisten. Er wird 1933 zunächst beurlaubt, dann nach Düsseldorf zwangsversetzt, 1939 zwangsweise in den Ruhestand versetzt und ein Jahr später mit absolutem Arbeitsverbot belegt. Der verfemte Künstler bleibt dennoch in Deutschland, unterstützt von wenigen Förderern. Nach Kriegsende werden ihm verschiedene Professuren angetragen; er entscheidet sich für die Landeskunstschule Hamburg, an der er bis zu seinem plötzlichen Tod 1955 lehren wird. Seine Pläne für eine große Umgestaltung des Hamburger Jungfernstieg bleiben unrealisiert. Einzig die "Männer im Boot" werden an der Außenalster aufgestellt und schmücken zudem den Rathausplatz Neu-Ulms. Hier und am Donauufer lassen sich noch weitere seiner Plastiken betrachten.

Scharff darf als echter Schwabe und Neu-Ulmer gelten: Trotz schwieriger finanzieller Verhältnisse hält er an seinem Ziel, Bildhauer zu werden, fest.
Sein Anspruch ist hochgesteckt: Mit den Besten der Kunst will er sich messen. Er selbst war sich im Klaren, dass seine Kunst von Eigenheiten geprägt ist, die nicht jeder goutiert: "Wer seine eigene Weise auf eigenem Instrument spielt, kann nicht verlangen, dass es allgemein verstanden und gewürdigt wird (...)", so fasst er seine Überzeugung in seiner Eröffnungsrede der Plastikausstellung der Berliner Sezession 1930 zusammen.
 

Wilhelm Mayer und das „Stahlpferd“

Erfindergeist

Wilhelm Mayer, Firmengründer der Firma Wilhelm Mayer Nutzfahrzeuge in Neu-Ulm, war als Tüftler und Erfinder ein Pionier der Entwicklung der Landtechnik zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Zahlreiche Landmaschinen, wie Kleereiber und Dreschmaschinen – oftmals auf Basis eigener Patente – wurden in der 1901 gegründeten und 1918 vom Zentrum Neu-Ulms in der Industriestraße verlegten Maschinenfabrik gefertigt.

1928 brachte der Tüftler Wilhelm Mayer das „Stahlpferd“ in Neu-Ulm auf den Markt und markierte damit einen Meilenstein in der Geschichte der Motorisierung der Landwirtschaft. Das von 1928 bis 1932 gebaute "Stahlpferd" war eine eine Universal-Mäh-, Zug- und Arbeitsmaschine für den Landwirt, aber auch für spezielle Handerks- und Gewerbebetriebe. Somit war das Stahlpferd in mancherlei Hinsicht ein Vorläufer des heutigen UNIMOG. Die Generalvertretung dieses UNIversalMOtorGerätes der DAIMLER AG stellt den Kernbereich der heutigen Firma Wilhelm Mayer in Neu-Ulm und Gersthofen dar. Die Firma zählt zu den ältesten Familienbetrieben in Neu-Ulm.

Quelle: Wilhelm Mayer GmbH & Co. KG Nutzfahrzeuge, Neu-Ulm

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